(Bild HKIEd)
Weitere Gespräche am Hong Kong Institute of Education. Erwähnens- und evtl. nachahmenswert scheinen mir:
After-school-tutoring: Das HKIEd versteht sich als Plattform für Schulen, die für einzelne Schülerinnen und Schüler Aufgabenhilfen suchen und ihren Studierenden, die solche Aufgabenhilfe leisten wollen. Die Studierenden verdienen praktisch oder gar nichts, weil es sich um unterprivilegierte Kinder handelt, sie lernen aber sehr viel dabei. In Zürich machen wir ja z.T. etwas Ähnliches mit der AOZ. Hier gibt aber ein Grossteil der Studierenden solche Aufgabenhilfe, so dass viele sonst benachteiligte Schülerinnen und Schüler davon profitieren könne.
Arbeit mit Schulleitenden: Der Kontakt zu Schulleitenden wird von der Institution sehr bewusst gepflegt. Sie werden regelmässig zu Briefings eingeladen, sitzen in Beratungsgremien usw. An solchen Sitzungen stellt dann z.B. ein Student sein ePortfolio vor, eine Dozentin berichtet über die Einführung einer neuen Methode für den Zweitspracherwerb oder der Präsident lädt alle zu einem Event anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums ein.
Summer Schools: Summer Schools (zwischen zwei Wochen und zwei Monaten) werden für den internationalen Austausch und die bessere Sichtbarkeit des Instituts durchgeführt. Da besucht z.B. eine Gruppe von Schulleitenden aus Shanghai einige Wochen eine Summer School oder es findet ein zweiwöchiges Kulturpgrogramm in der Greater China Region für europäische Lehrpersonen, Dozierende oder Studierende statt. (Zu diesem Selbstzahlerprogramm wären wir übrigens auch herzlich willkommen).
Mentoring-Programme: Wir kennen solche Programme innerhalb der ZFH. In Hong Kong werden sie aber nicht für wissenschaftlichen Nachwuchs oder Frauen für Führungspositionen angeboten, sondern für angehende Lehrpersonen. Amtierende Lehrpersonen, aber auch andere arrivierte Einwohnerinnen und Einwohner können sich als Mentoren und Mentorinnen zur Verfügung stellen, Studierende sich als Mentees bewerben. Das Programm sei sehr erfolgreich. (Vielleicht etwas konfuzianisch geprägt, aber eine Idee wert).
Bild HKIEd

(Bild HKIEd)


Ich bin gespannt, wie das an der Konferenz am Mittwoch und Donnerstag aussehen wird. Man hat die Konferenz wegen der Occupy-Bewegung zu Gunsten eines Meetings (zu dem lediglich die Teilnehmenden aus der Greater China Region eingeladen sind) um zwei Stunden gekürzt und das Gala Diner in ein normales Abendessen umgewandelt.
Die Proteste spalten aber nicht nur die Generationen, sie spalten viele Teilnehmende auch innerlich. Das konfuzianische Gedankengut, die Pflicht, den Ältern und vor allem den Eltern gegenüber respektvoll und gehorsam zu sein, ist tief verankert. Zu demonstrieren stürzt viele Junge auch im recht liberalen und offenen Hong Kong in einen Loyalitätskonflikt. Das Transparent „My parents are crying for me – I am crying for the future“, das ich gestern fotografiert habe, zeigt dieses Dilemma gut auf.

In einer solchen Zeit hier sein und die Ereignisse lediglich am Fernsehen verfolgen – das halte ich nicht aus.

(Bild Tom Grundy, Twitter)
(Bildquellen: Twitter, HKE)
mit der Occupy-Bewegung bewirkt, einer Bewegung die vorerst aus Studierenden und Intellektuellen, bald auch aus Mittelschülerinnen und -schüler bestand. (Bildquelle Occupy, Twitter)