2017 in 24 Bildern

Ein sonniger Jahresbeginn in Furna.
Im Januar wohnt Rogério aus Rio bei uns. Wir tauschen über unsere Bildungssysteme aus, mixen Caipirinhas und geniessen den Schnee.
Im Februar geniessen wir zu viert eine abenteuerliche Hundeschlittentour in Lappland. Wir fahren während einer Woche von Hütte zu Hütte, abends sind wir mit Wasser holen, Hunde füttern und einheizen beschäftigt.

Wunderschöne Naturerlebnisse.
An der PH befasse ich mich mit Veränderungen.
Mit Vergangenheit, hier ein Besuch im Schulmuseum Bern…
…und mit Zukunft, hier in Basel, unterwegs an die Uni.
Eierfärben an Ostern
und ein früher, blühender Frühling.
Erste Mountainbiketour nach der Schneeschmelze. Ich bin froh, dass die Knie nicht rebellieren.
Am Sonntagmorgen auf den Wannenspitz.
Im Juni besucht uns unsere japanische Freundin Nae. Mit ihr entdecke ich einige Schweizer Sehenswürdigkeiten neu, hier den Gornergrat.
Danach eine Woche Osteuropa – von Prag über Bratislava und die Hohe Tatra nach Krakau.
Im Juli habe ich Gelegenheit, an einem „Executive Seminar“ in Singapur mitzuarbeiten.
Wir diskutieren mit engagierten Bidlungsfachleuten aus NGOs und Regierungen die grossen Bildungsprobleme der Welt und suchen gemeinsam nach Lösungen für die Schulung von Flüchtlingen in Jordanien, die Jugendarbeitslosigkeit in vielen Ländern Afrikas und die Herausforderungen der Digitalisierung.
Auch eine kurzer Abstecher nach Vietnam danach beeindruckt mich. Ich habe viel über die Geschichte gelesen, der Krieg ist immer noch sehr präsent.
Aber auch Optimismus, Bildungshunger, Fortschrittsglaube sind spürbar.
Zurück in der Schweiz. Der Bruno-Weber-Park in Dietikon, den wir auf unserem Rektoratsausflug besuchen, erinnert auch an Asien.
Nach all den Erfahrungen in Südost- und Ostasien befasse ich mich in der Freizeit mit Kolonialgeschichte. Das Museum der Kulturen in Basel.
Museen könnte man unzählige besuchen. Die lange Nacht der Museen in Zürich bietet Gelegenheit, auch unbekannte kennzulernen, hier das „Alterthümer-Magazin“.
An der PH hat ein neues Semester begonnen.
Schulleitungen aus Südkorea informieren sich über unser Bildungssystem, jeweils ein sehr interessanter Austausch.
Der Stadtteil um die Europaallee verändert sich rasant, mein Arbeitsweg führt jetzt über einen neuen Bahnhofseingang.
10-Uhr-Kaffee in unserem Mitarbeitendenfoyer mit einem sich jeden Tag verändernden Ausblick, erster Schnee.
Und Weihnachten wie jedes Jahr, Zmorge mit Freunden und unserem 4-Meter-Christbaum.

Weitere Ideen aus Hong Kong

lunch.jpg(Bild HKIEd)

Weitere Gespräche am Hong Kong Institute of Education. Erwähnens- und evtl. nachahmenswert scheinen mir:

After-school-tutoring: Das HKIEd versteht sich als Plattform für Schulen, die für einzelne Schülerinnen und Schüler Aufgabenhilfen suchen und ihren Studierenden, die solche Aufgabenhilfe leisten wollen. Die Studierenden verdienen praktisch oder gar nichts, weil es sich um unterprivilegierte Kinder handelt, sie lernen aber sehr viel dabei. In Zürich machen wir ja z.T. etwas Ähnliches mit der AOZ. Hier gibt aber ein Grossteil der Studierenden solche Aufgabenhilfe, so dass viele sonst benachteiligte Schülerinnen und Schüler davon profitieren könne.

Forschungsorientierung: „I have all the data, now I have to write this paper“, sagen die Dozierenden ständig. Kein Sommerkurs wird begonnen, keine Neuerung im Curriculum eingeführt, ohne dass man nicht auch ein (mögliches) Forschungs- oder Evaluationsprojekt daran koppelt. Im Zweifelsfall werden Daten erhoben. Und wenn immer möglich wertet man sie auch aus und publiziert dazu. Das geschieht nicht immer in hoch“gerateten“ Journals, z.T. erfolgen die Veröffentlichungen auch in hauseigenen Zeitschriften oder elektronischen Plattformen. Aber es wird mehr publiziert, auch wenn auch hier „eigentlich“ niemand Zeit dafür hat.

Arbeit mit Schulleitenden
: Der Kontakt zu Schulleitenden wird von der Institution sehr bewusst gepflegt. Sie werden regelmässig zu Briefings eingeladen, sitzen in Beratungsgremien usw. An solchen Sitzungen stellt dann z.B. ein Student sein ePortfolio vor, eine Dozentin berichtet über die Einführung einer neuen Methode für den Zweitspracherwerb oder der Präsident lädt alle zu einem Event anlässlich des 20-Jahr-Jubiläums ein.

Summer Schools
: Summer Schools (zwischen zwei Wochen und zwei Monaten) werden für den internationalen Austausch und die bessere Sichtbarkeit des Instituts durchgeführt. Da besucht z.B. eine Gruppe von Schulleitenden aus Shanghai einige Wochen eine Summer School oder es findet ein zweiwöchiges Kulturpgrogramm in der Greater China Region für europäische Lehrpersonen, Dozierende oder Studierende statt. (Zu diesem Selbstzahlerprogramm wären wir übrigens auch herzlich willkommen).

Mentoring-Programme
: Wir kennen solche Programme innerhalb der ZFH. In Hong Kong werden sie aber nicht für wissenschaftlichen Nachwuchs oder Frauen für Führungspositionen angeboten, sondern für angehende Lehrpersonen. Amtierende Lehrpersonen, aber auch andere arrivierte Einwohnerinnen und Einwohner können sich als Mentoren und Mentorinnen zur Verfügung stellen, Studierende sich als Mentees bewerben. Das Programm sei sehr erfolgreich. (Vielleicht etwas konfuzianisch geprägt, aber eine Idee wert).
HKStud2.jpgBild HKIEd

Namdaemun, Gyeongbokgung und so

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Gleich neben meinem Hotel liegt das frühere Südtor der Stadt. Auf der Karte heisst es Namdaemun, angeschrieben ist es als Sungyenum. Das Tor wurde 1398 erbaut und jeweils um 22 Uhr geschlossen und um vier Uhr wieder geöffnet. Das heute verloren im Verkehr stehende Tor verlor seine Funktion 1907, als die Japaner Korea zu ihrem Protektorat machten und die Stadtmauern einrissen. Während des Koreakriegs wurde es erneut stark beschädigt.
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Neben dem Stadthaus erstreckt sich die Anlage des ursprünglich im 15. Jahrhundert erbauten Deoksugung-Palastes, in dem die letzten Könige Koreas auch westliche Gebäude errichten liessen, um die Öffnung Koreas herauszustreichen.

Auf dem Boulevard, der zum Gyeongbokgung-Palast führt, stehen die Denkmäler von zwei Nationalhelden: König Sejong (1397 – 1450) und Admiral Yi Sun Shin (1545 – 1598). Unter den Denkmälern befindet sich eine grosse unterirdische Halle mit Ausstellungen zu den beiden Personen.
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Unter der Herrschaft König Sejongs wurden verschiedenste Verbesserungen für die Bevölkerung eingeführt. So gab er den Auftrag, das einfach zu erlernende koreanische Al­phabets Hangeul zu schaffen und förderte damit die Literalität stark. Er wird als ein starker Verfechter der Solidarität auch zu den nicht aristokratischen Schichten dargestellt – unter anderem führte er als erster eine Jahre dauernde Vernehmlassung durch, wie ein gerechteres Steuersystem eingeführt werden könne. Unter ihm wurden auch die Wissenschaften stark gefördert, Astronomie und Mathematik erlebten eine Blütezeit.
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Admiral Yi Sun Shin ist der Held des Imjin-Krieges, des Krieges, den Japan ab 1592 gegen Korea führte, um anschliessend gegen China vordringen zu können. Mit den von ihm entworfenen wendigen „Schildkrötenbooten“ und sehr geschickter Taktik konnte er trotz mehrfacher Übermacht der japanischen Marine diese mehrfach vernichtend schlagen. In einer der letzten Schlachten, bevor Japan sich zurückzog, wurde Yi tödlich verletzt. Er wird als grossartiger Stratege, gerechter, für alle seine Untergebenen sich einsetzender aber wenn nötig auch unerbittlich strafender Admiral dargestellt, der seine Position durch harte Arbeit und Ausdauer erreicht hatte, sich durch keine Rückschläge entmutigen liess und immer getreu den konfuzianischen Tugenden lebte.

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Gyeongbokgung, die weitläufigste und wohl schönste Palastanlage wurde 1395 durch den Gründer der letzten Dynastie, der Joseon-Dynastie fertiggestellt. Der am Fuss des Bukak-Berges erbaute „Palast der strahlenden Glückseligkeit“ wurde während der Invasionen durch Japan im 16. und 20. Jahrhundert zwei Mal fast vollständig zerstört. Etwa 300 der 500 Gebäude wurden wieder aufgebaut. Sehr schön, hier zu spazieren und zu sitzen – es hat auch genügend Platz.
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Unter Dichtestress gerate ich dagegen im an sich auch sehr interessanten Museum of Korean Folk Art, in dem der frühere Jahresablauf in der Bauerngesellschaft und der Lebenslauf der Menschen dargestellt wird. Aber die vielen Tourgruppen mit ihren Fähnchen und Lautsprechern gehen mir auf die Nerven. Es fällt mir jetzt auch auf, was die Differenz zwischen der japanischen einerseits und der koreanischen und auch chinesischen Dichte andererseits ist: hier ist es meistens laut. Man ruft ganz selbstverständlich laut durch die Räume, überall Gepiepse und Gebrumse aus irgendwelchen Geräten, laute Schulklassen. Für mich erhöht diese akustische Reizüberflutung den Stress ganz erheblich. Aber das Museum ist trotzdem sehr gut.

20140604-223147-81107814.jpgVorgestern habe ich geschrieben, Seoul liege in Asien. Die Quartiere, die ich gegen Abend durchstreife, könnten ebenso gut in San Francisco, Amsterdam, Sydney oder Rio liegen. Boutiquen und Galerien, Jugend und Schöngebliebene auf Einkaufstour, Latte Macchiato in umgebauten Lagerhallen mit Backsteinromantik. Die Stimmung ist gut, heute am Wahltag haben alle frei und flanieren durch die Gassen.