Assyrer, Impressionisten und Kosmonauten

20140312-222706.jpgKalt ist es heute Morgen, ich hätte Handschuhe mitnehmen sollen. Mein Morgenspaziergang führt durchs Theaterquartier. Moskau hat eine beeindruckende Fülle von Theatern, die in Rokoko-, Klassizismus-, Jugendstilhäusern untergebracht sind. An den verschiedenen Häusern sind Plaketten mit QR-Codes angebracht, so dass man jeweils nachlesen könnte, was es mit dem Gebäude auf sich hat. Weil ich nicht Russisch kann und mir die Roaming-Kosten nicht leisten will, verschiebe ich das Nachschauen auf später, wenn ich WiFi habe, verschiebe.
Die Schülerinnen und Schüler, denen ich begegne,, sind nicht schwarz und weiss gekleidet, wie wir das in Mordwinien gesehen haben, sondern mit Navyboots, Designerklamotten und iPads ausgerüstet. Sie werden wohl in Privatschulen gehen (vgl. WoZ).
Während ich eine Schokolade trinke, hellt es auf, die Sonne spiegelt sich in den Kuppeln der Kreml-Kirchen.
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In den Puschkin-Kunstmuseen finden sich grossartige Werke aller Zeitepochen, von den Assyrern bis zu Picasso.20140312-225531.jpg
Leider fehlt alles Russische, das ist in den beiden Tretyakow-Gallerien ausgestellt. Eigentlich schade, es gibt so viele Parallelen, eine Gegenüberstellung der sich ja überschneidenden Kulturräume in den verschiedenen Zeitepochen wäre interessant. Noch mehr Kunst kann ich aber heute nicht mehr aufnehmen. Dafür will ich den Kosmonautinnen und Kosmonauten meine Aufwartung machen. Zwar haben wir während des kalten Krieges stärker mit Glenn, Cooper und Armstrong gefiebert, aber Gagarin war uns immer auch sympathisch, der erste Mensch im All. Er wäre letzte Woche 80 geworden. Das häufig kaum auszuhaltende, weil so Kreml-nahe RT (früher „Russia Today“) brachte eine interessante Reportage darüber.
20140312-231052.jpgDie Architektur des Kosmonautendenkmals ist so eine Mischung aus Forchdenkmal und dem Pavillon „Wehrhafte Schweiz“ an der Expo 64. Trotzdem eindrücklich. Das Museum ist aber interessant. Die verschiedenen Raumflüge sind gut dokumentiert, auch die gemeinsamen mit den USA ab 1975, u.a. sind die verschiedenen Kapseln, von Wostok bis Sojus und die Raumstation Mir ausgestellt.
Man hat sich schon viel Hoffnung auf Fortschritt und Frieden gemacht mit all diesen Missionen. Aber wirklich weitergekommen ist die Menschheit damit doch nicht. 20140312-231933.jpg
Beim anschliessenden Spaziergang durch den Park denke ich, dass der Westen die Entwicklung in Russland völlig falsch eingeschätzt hat. Auch wenn russische Jugendliche zu amerikanischer Pop-Musik Selfies vor dem Lenin-Denkmal machen, heisst das noch lange nicht, dass Russland jetzt gleich denkt. Es scheint noch ein weiter Weg zum gegenseitigen Verständnis zu sein, im Moment sogar ein so weiter, wie schon lange nicht mehr.
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