Digital Citizenship

Anlässlich der Abschiedsvorlesung von Heinz Moser hatte ich einige Quotes getwittert, u.a. auch, dass die Lehrpersonenbildung auf Digital Citizenship  vorbereiten solle. Mein Kollege vom Institut Unterstrass hat diese Forderung nun in einen Gegensatz zu einem Leserbrief gestellt, in dem offenbar eine Schule der 50-er Jahre gefordert wird.

Ausgehend von den Idealen der Aufklärung, von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit gehe ich wie die bildungstheoretische Didaktik Wolfgang Klafkis von „Selbstbestimmungsfähigkeit“, „Mitbestimmungsfähigkeit“, „Solidaritätsfähigkeit“ als Bildungszielen aus.

Das Internet gehört zu unseren Lebenswelten. Es ist wichtig und für das Lernen heute unabdingbar, kompetent mit ihm umgehen, selbst darüber bestimmen zu können, wie man es nutzt. Seit Web 2.0 bietet es verschiedenste Partizipationsmöglichkeiten, die sich noch erweitern werden und die Einfluss auf das Funktionieren der Demokratie haben. Schliesslich ermöglicht das Netz Informationen und Interaktionen, die zu mehr Mitmenschlichkeit, mehr Solidarität, aber auch Mobbing, Manipulation und Mitläufertum führen können.

Es ist deshalb m.E. unabdingbar, dass Kinder und Jugendliche auch „Digital Citizens“ werden, dass sie lernen, sich verantwortungsbewusst und ethisch im Web zu bewegen, daran und damit zu partizipieren. Wie sie das Internet nutzen, kann für sie und andere wegen der grossen Reichweite weitreichendere Konsequenzen haben als ihr Verhalten auf dem Pausenplatz.

 

2 Gedanken zu “Digital Citizenship

  1. Dass ich richtig verstanden werde: Mich entsetzt die Forderung nach einer Schule aus den 50er-Jahren. Wie die ganzen Entwicklungen und Veränderungen der letzten sechs Jahrzehnten für die Volksschule ausgeblendet werden sollen, ist mir völlig schleierhaft. In der Öffentlichkeit und bei den Lehrpersonen ist zwar sicher eine zunehmend reformkritische Haltung erkennbar. Ich hoffe aber doch sehr, dass eine solch rückwärts gewandte und reformfeindliche Haltung des „Zurück in die 50er-Jahre“ eine einzelne Meinung ist, die nicht mehrheitsfähig wird. In der öffentlichen Diskussion müssen vermeintliche Selbstverständlichkeiten aber immer wieder dargestellt werden. Selbstverständlichkeiten, die auch im Fazit aus der Arbeit von Prof. Dr. Philipp Gonon über den Wert der Volksschule für den Standort Zürich formuliert werden: „Die Volksschule hat einen eigenständigen Bildungsauftrag, der jedoch anschlussfähig an die Arbeitswelt und weiterführende Schulen bleiben muss.“ und „Die Volksschule muss sich auf die Globalisierung einstellen…“ Also sicher keine 50er-Jahre-Romantik.

  2. Vielen Dank, Matthias – ja, ich habe dich richtig verstanden. Ich wollte nur präzisieren, dass die Forderung nach Digital Citizenship nicht einfach nur ein Gegensatz zur Schule der 50-er Jahre ist, sondern unabhängig davon eine wichtige Forderung. Aber sag das mal in 140 Zeichen…

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